Das geheime Zimmer


Das Zimmer lag unter dem Dach und besaß ein großes, rundes Atelierfenster, durch das viel Licht hinein schien. Schade, dass es niemals benutzt worden war. Dies hier war jetzt SEIN Zimmer. Es war für ihn voller Schätze. Es gab außer den Puppen noch unberührte Kartons mit Spielen und Baukästen. Außerdem einen großen Kleiderschrank voller Anziehsachen, eine leere Wiege und einen Wickeltisch. Alles wurde von Rosie regelmäßig gepflegt und sah aus wie neu. So, als ob jeden Augenblick ein kleiner Junge oder ein kleines Mädchen dieses Zimmer in Besitz nehmen könnte. Dabei hatte Major Fowley nach dem Tod seiner Frau diesen Raum nie wieder betreten. Gegenüber dem Bett stand ein großes, naturgetreu lackiertes Schaukelpferd. Ein hübscher Apfelschimmel mit rotem Zaumzeug. Manchmal träumte Mr. P. davon, wie er als General auf diesem Schimmel vorangaloppierte, um das Königreich vor Angreifern zu schützen.

 


Niemand da! Was war das? Hatte da eben der Spiegel mit ihm gesprochen? Litt er etwa unter Halluzinationen?

Ein leises Kichern folgte. Dann tauchte unter dem hölzernen Rahmen des Spiegels eine kleine rosa Nase auf, gefolgt von ein paar glänzenden Knopfaugen in einem braunen Fellkörper und einem langen rosa Schwanz.

„Eine Ratte!“, machte Pattapu erstaunt. „Du wagst es, dich hier blicken zu lassen, obwohl zwei Katzen im Haus sind?“, fragte er empört.

Die Ratte richtete sich auf den Hinterbeinen auf. Ihre Schnurrbarthaare zitterten vor Zorn. „Na hör mal, das gleiche könnte ich dich fragen! Schließlich lebt meine Sippe hier schon seit über dreihundert Jahren! Lange bevor es hier überhaupt Katzen gab!“

Pattapus Neugier war geweckt. All die Zeit hatte er dieses winzige Tierchen nicht bemerkt. Oder gab es gar noch wesentlich mehr von ihnen hier? „Wie heißt du eigentlich?“, wollte er wissen.

Die Ratte machte eine gezierte Verbeugung. „Gestatten: von Lausewitz, Lola!“

„Hört sich nicht sehr nach altem britischen Adel an“, bemerkte Pattapu überheblich.

„Meine Vorfahren sind vor langer Zeit auf einem preußischen Schiff hier angekommen und an Land gegangen“, war die stolze Antwort. „Aber inzwischen sind wir natürlich eingebürgert.“

„Und wo lebst du?“

Lola wies mit dem Kopf schräg in die Ecke hinter dem Bett. „Dort!“

Pattapu erblickte ein Puppenhaus, das fast einen Meter hoch über drei Stockwerke aufragte und bis ins kleinste Detail wunderschön im Stil eines viktorianischen Herrenhauses bemalt worden war.

 


Ein altes Fernglas ermöglicht den Blick auf die Hafenpromenade und das Meer. Die Wellen schlagen sanft gegen die Kaimauer. Segelschiffe beladen mit Schätzen aus aller Welt gleiten in der Ferne vorbei. Welches davon ist das Schiff der Schmuggler?

 

Ein neues Abenteuer wartet auf Mr. Pattapu, Melody und Lola.